Sprengel Hanau - Landessynode tagt in Hofgeismar

Tageslosung

Das sei ferne von uns, dass wir den HERRN verlassen!
Seid in Christus verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit.

 

 

Landessynode tagt in Hofgeismar
Beratungen am 26. und 27. April
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Mit einem Gottesdienst von Bischof Martin Hein in der Brunnenkirche ist die Frühjahrstagung  der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck eröffnet worden. Hier finden Sie die Meldungen zu den Beratungen:
Personalbericht - www.wir-kaufen-anders.de-Jahresabschluss Haushalt 2016-Standards im Ehrenamt-Grußwort von Kultusminister Lorz - Neue Sprengelaufteilung ab 2019 - Traugesetz gilt künftig auch für gleichgeschlechtliche Paare

Traugesetz gilt in Kurhessen-Waldeck künftig auch für gleichgeschlechtliche Paare

Die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat heute eine Änderung ihres Traugesetzes verabschiedet. Diese Änderung folgt auf die im Oktober 2017 in Kraft getretene staatliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare bei der Trauung. Als Grundvoraussetzung für einen „kirchlichen Segnungsgottesdienst anlässlich einer Eheschließung“ gilt weiterhin eine staatliche Eheschließung. Bereits im Jahr 2011 hatte die Landessynode Paaren, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, die Möglichkeit eröffnet, in einem öffentlichen Gottesdienst gesegnet zu werden. Dazu war von der Liturgischen Kammer eine Handreichung „Segnung von Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft“ erarbeitet worden, die auch bei der Trauung weiterhin herangezogen werden soll. Für Pfarrerinnen und Pfarrer, die die Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares aus Gewissengründen ablehnen, ist in das Traugesetz ein sogenannter „Gewissensvorbehalt“ eingefügt worden, der die Pfarrerin oder den Pfarrer jedoch verpflichtet, in diesem Fall eine sogenannte „Dimissoriale“ auszustellen, mit der die Trauung von einem anderen Pfarrer oder einer anderen Pfarrerin vorgenommen werden kann.


Aus vier Sprengeln werden drei
Reformprozess betrifft auch Leitungsebene der kurhessischen Landeskirche

Die vier Sprengel Kassel, Waldeck-Marburg, Hersfeld und Hanau werden neu geordnet. Dies hat die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck heute auf ihrer Frühjahrstagung beschlossen. Die gesetzliche Neuregelung sieht vor, dass es künftig drei Sprengel geben wird: Kassel, Marburg und Hanau-Hersfeld. Dabei wird der neue Sprengel Marburg zusätzlich zu den bisherigen Kirchenkreisen Eder, Kirchhain, Marburg und Twiste-Eisenberg noch die Kirchenkreise Fritzlar-Homberg, Melsungen und Ziegenhain des alten Sprengels Hersfeld umfassen; der neue Sprengel Hanau-Hersfeld wird hingegen aus den Kirchenkreisen des ehemaligen Sprengels Hanau (Fulda, Gelnhausen, Hanau, Schlüchtern) sowie den Kirchenkreisen Hersfeld, Rotenburg und Schmalkalden bestehen. Der Sprengel Kassel bleibt unverändert.

Mit der heutigen Entschließung ist nun das Gesetzgebungsverfahren über die Neuordnung der Sprengel zu einem Abschluss gekommen, nachdem in der Herbsttagung 2017 die Beratungen in der zweiten Lesung unterbrochen worden waren. Entgegen der ursprünglich eingebrachten Gesetzesvorlage tritt nun das Gesetz bereits zum 1. Januar 2019 in Kraft. Durch die zügige Umsetzung der Sprengelneuorganisation und durch die damit verbundenen Einspareffekte setze die Synode ein Zeichen, so der Synodale Dr. Hans Helmut Horn in seinem Änderungsantrag: „Hinzu kommt, dass von der Synode ein wichtiges kirchenpolitisches Signal gesetzt werden kann, dass auch die Führung der Landeskirche in Gestalt der Leitungsebene der Pröpstinnen und Pröpste ihren persönlichen Anteil an der Veränderung der Strukturen zu erbringen bereit ist“. Das verabschiedete Gesetz sieht als Dienstsitze der Propsteien die Städte Kassel, Marburg und Hanau vor. Für die Amtszeit der jetzigen Pröpstin des Sprengels Hersfeld verbleibt der Dienstsitz aus dienstrechtlichen und verfassungsrechtlichen Gründen in Bad Hersfeld.


Lorz: Theologisches Denken ist ohne politische Konsequenzen nicht denkbar
Hessischer Kultusminister spricht Grußwort auf Landessynode

Bei seinem heutigen Besuch auf der Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck unterstrich Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz das gute und produktive Verhältnis zwischen den Kirchen und dem Land Hessen. Er erinnerte an zwei für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat bedeutende historische Gedenktage im Jahr 2018. Zunächst einmal sei dies der Beginn des 30jährigen Krieges vor 400 Jahren, des größten Religionskrieges auf dem europäischen Kontinent. Weiterhin gedenke man in diesem Jahr des Endes des 1. Weltkrieges und damit auch des landesherrlichen Kirchenregimentes. Danach sei das Verhältnis zwischen Kirche und Staat neu bestimmt worden. Im kommenden Jahr könne dann das Jubiläum der Weimarer Reichsverfassung gemeinsam begangen werden. Dorothee Sölle habe einmal geäußert, dass theologisches Denken ohne politische Konsequenzen nicht denkbar sei. Da der Gestaltungsraum der Politik stets auch mit moralischen Fragen verbunden sei, seien für einen gläubigen Menschen in seinem politischen Handeln auch die Fragen des Gewissens stets eng mit dem Glauben verbunden. Gemeinsam sei den politisch und kirchlich Verantwortlichen dabei die Orientierung am Wohl des Menschen. In Anlehnung an das Motto der Synode „dass Friede und Gerechtigkeit sich küssen“ sagte Lorz, dies sei eine Utopie, aber für den gläubigen Menschen keine haltlose Utopie. Daher könne sie handlungsleitend sein.


Ehrenamt braucht Standards
Synode bekräftigt ihr Engagement zur Gewinnung und Begleitung von Ehrenamtlichen

„Die Synode weiß um die Bedeutung des Ehrenamts und der Engagementförderung in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Die Schaffung guter Rahmenbedingungen ist ihr wichtig. Daher begrüßt sie die Standards für die Ehrenamtsarbeit und bittet das Landeskirchenamt eine Arbeitsgruppe mit synodaler Beteiligung einzurichten. Diese wird Empfehlungen zur weiteren Umsetzung der Standards erarbeiten, um diese dann der Synode vorzulegen und ggf. die Umsetzung zu begleiten.“

Das hat heute die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck auf ihrer Frühjahrstagung beschlossen.

„Standards“ greifen Kernthemen einer zeitgemäßen Engagementförderung auf
Zuvor hatten die zuständige Bildungsdezernentin, Oberlandeskirchenrätin Dr. Gudrun Neebe, und die Leiterin der Fachstelle Engagementförderung, Anneke Gittermann, die Broschüre „Standards für die Ehrenamtsarbeit“ vorgestellt. Die Standards sollen Kirchengemeinden als hilfreiche Orientierung dienen, um verlässliche und gute Rahmenbedingungen für ihre Ehrenamtlichen zu schaffen. Unerlässlich sei dabei das gute Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen, das von einem Klima gegenseitiger Wertschätzung geprägt sein solle, wie Neebe betonte. Dazu gehörten aber auch gute Arbeitsbedingungen, Möglichkeiten zur Fortbildung und eine Auslagenerstattung. Denn – so Gittermann: „Es darf nicht vom Einkommen abhängen, ob Ehrenamtliche sich ein Engagement in unserer Kirche leisten können.“ So sensibilisierten die „Standards“ auch die Verantwortlichen vor Ort für Engagementbarrieren und ermöglichten damit deren Abbau, damit sich möglichst viele Menschen in der Landeskirche aktiv einbringen könnten.

Neuer Typus von Ehrenamtlichen stellt Ehrenamtsgewinnung vor Herausforderungen
Beide Referentinnen betonten, dass die Kirche vor großen Herausforderungen bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen stehe. Der heutige Ehrenamtliche wäge genau ab, für welche Aufgabe er sich engagiere. Gittermann stellte fest: „Wo sich interessante, sinnerfüllte und freudvolle Engagementfelder finden, greifen sie zu – die Organisation ist da erst einmal zweitrangig.“ Generell gelte es, sich in die zu gewinnenden Ehrenamtlichen hineinzuversetzen und zu fragen: „Was wollen sie? Was brauchen sie? Was macht ein Engagement in der Kirche für sie anziehend und attraktiv?“ Besonders müsse man diejenigen in den Blick nehmen, die bislang noch kaum kirchliche Angebote genutzt hätten, die aber über ein konkretes, sinnvolles und interessantes Engagement näher an die Kirche herangerückt seien (z. B. über die Geflüchtetenarbeit oder als Eltern von KiTa-Kindern)

Mehr Informationen unter: www.engagiert-mitgestalten.de


„Nicht reich, aber liquide zur Erfüllung der anstehenden Aufgaben“
Synode erteilt Entlastung für Jahresabschluss 2016

Die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat heute dem Landeskirchenamt Entlastung für den geprüften Jahresabschluss des Jahres 2016 erteilt.

In seiner Einbringung berichtete Vizepräsident Dr. Volker Knöppel, dass die Befassung mit dem vorläufigen Jahresabschluss in der Herbstsynode 2017 wichtige Anregungen für die Vorlage des geprüften Jahresabschlusses ergeben habe. So habe in Folge der Diskussionen in der Synode der Finanzausschuss beschlossen, den so genannten negativen Vermögensgrundbestand abzubauen. Dr. Knöppel zeigte sich überzeugt: „Diese Maßnahme bringt Transparenz und wird die Beratungen in den Gremien zukünftig erleichtern.“ Der landeskirchliche und gemeindliche Teil des Kirchensteuerverwahrs betrage nach der Entnahme zum Abbau des negativen Vermögensgrundbestandes noch jeweils 11,65 Mio. €.

Der Vizepräsident äußerte sich zufrieden darüber, dass das Ergebnis des vorläufigen Jahresabschlusses sehr nah an dem nun vorliegenden Jahresabschluss gelegen habe. Die Bilanzsumme 2016 betrage nun 528.079.187,39 € und habe sich gegenüber dem vorläufigen Jahresabschluss 2016 (Bilanzsumme: 527.933.154,98 €) nur geringfügig verändert. Mit Blick auf die Aktiva und Passiva des Jahresabschlusses erläuterte Dr. Knöppel, dass auf der Aktiva-Seite die Finanzanlagen mit rund 388,5 Mio. € den größten Posten ausmachten, gefolgt von den liquiden Mitteln (Kassen- und Girobestände sowie Termingelder) in Höhe von rund 68,3 Mio. €. Auf der Passiva-Seite seien die Versorgungsrückstellung mit 166,5 Mio. € sowie die Verbindlichkeiten (u.a. treuhänderisch verwaltete Gelder aus der Kirchenbauablösung und der Stiftung Kirchenerhaltungsfonds) und Sonderposten (z. B. Treuhandvermögen) mit rund 303,3 Mio. € der Hauptposten. Das Reinvermögen der Landeskirche belaufe sich zum 31.12.2016 auf 35.044.805,64 €. Gemessen am Gesamtvermögen von rd. 528 Mio. € betrage die Reinvermögensquote 6,6 %. Angesichts dieser Bilanz zog der Vizepräsident ein positives Fazit: „Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck ist nicht reich, aber liquide, und das ist wichtig zur Erfüllung unserer Aufgaben.“


 

wir-kaufen-anders.de
Landeskirche beteiligt sich an Einkaufsplattform für fair gehandelte Produkte

Auf der Frühjahrstagung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck wurde heute die Einkaufsplattform wir-kaufen-anders.de offiziell vorgestellt. Auf dieser Plattform können künftig auch Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck fair gehandelte Produkte zu günstigen Preisen einkaufen. Das Portal wurde in den letzten Jahren von der Evangelischen Kirche in Baden entwickelt. Seit März 2018 beteiligen sich an dem Projekt neben der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck auch noch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Evangelische Kirche im Rheinland.

Präses Dr. Dittmann warb für die Nutzung dieser Einkaufsmöglichkeit. Die Produktpalette sei breit gefächert und reiche von fair gehandeltem Kaffee über Recylingpapier oder Reinigungsmittel bis hin zu Möbeln. Allen Produkten gemeinsam sei, dass sie einen öko-fair-sozialen Mehrwert gegenüber konventionellen Produkten hätten. Ein gewünschter Nebeneffekt der Bündelung des Einkaufs in der Landeskirche sei es, durch Rahmenverträge bessere Konditionen bei den Händlern zu erreichen: „Je mehr Gemeinden und Einrichtungen die Plattform nutzen, umso günstiger werden die Preise“, so der Präses. Die Nutzung des Portals erfordere eine Registrierung und sei für alle Haupt- und Ehrenamtlichen der Landeskirche kostenfrei. Schließlich wertete Dr. Dittmann die Beteiligung an „wir-kaufen-anders.de“ als weiteren Baustein der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, das die Synode im Jahr 2014 beschlossen hatte.


Böttner: Mut zu „Experimentierfreudigkeit und Fehlerfreundlichkeit“
Prälat Bernd Böttner legt ersten Personalbericht vor

„Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist“ (Hosea 10,12) – dieses Motto gab die Richtung vor: Die inhaltliche und organisatorische Neuaufstellung der kirchlichen und pastoralen Arbeit stand im Mittelpunkt des heutigen Personalberichts von Prälat Bernd Böttner vor der Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Dabei gelte die Maxime: Kirchliche Strukturen seien nie Selbstzweck, sondern müssten der Verkündigung des Evangeliums dienen.

Verkündigung des Evangeliums auf der Höhe der Zeit
Böttner ging der Frage nach, wie die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck auch bei sich verändernden Rahmenbedingungen ihren Anspruch, Volkskirche zu sein , verwirklichen könne: „Weil sich die Menschen und die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern, darum müssen sich auch unsere Angebote ändern. Ein wie auch immer geartetes „weiter so!“ ist nicht die Antwort.“ Daher müsse die Verkündigung des Evangeliums auf der Höhe der Zeit sein, d. h. Arbeitsformen und kirchliche Angebote müssten daraufhin abgestimmt werden, dass sie den veränderten Bedürfnissen der Menschen gerecht werden. Darüber hinaus müsse mit Blick auf die geringer werdenden finanziellen Ressourcen geprüft werden, welche Aufgaben weiterhin notwendig seien, welche künftig noch geschultert und welche ganz neu entwickelt werden könnten. Diese Aufgabenkritik werde auf allen Ebenen der Landeskirche vorgenommen und falle regional und lokal sehr unterschiedlich aus. Um Lösungsansätze für anstehende Aufgaben zu finden, „benötigen wir Experimentierfreudigkeit und Fehlerfreundlichkeit“, so der Prälat.

Kooperation als Herausforderung und Chance
Der Prälat machte deutlich, dass die Bildung von Kooperationsräumen zwar für viele Kirchengemeinden eine Herausforderung sei, dass sie sich aber lohne. Kooperationsräume sollten dabei helfen, neue Formen kirchlicher Zusammenarbeit zu entwickeln und einzuüben, um für die Zeiten, in denen mit weniger Personal gearbeitet werden müsse, vorbereitet zu sein. Im Zentrum der Bemühungen solle dabei stets die Maßgabe stehen, dass eine gute pastorale Versorgung gewährleistet sei, so dass alle Haupt-, Neben- und Ehrenamtliche „gut, gern und wohlbehalten“ miteinander arbeiten könnten. Sein Motto für die Arbeit in den Kooperationsräumen laute: „Besser weniger gut machen!“ Daher gebe es für ihn nur zwei Pflichtaufgaben: eine verlässliche gegenseitige Vertretung der Pfarrerinnen und Pfarrer zu regeln und gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Auf der Pflicht könne dann die Kür aufbauen, z. B. das Feiern von Gottesdiensten mit alten und neuen Formaten, an traditionellen oder neuen Orten.

Pfarramtlicher Dienst mit Mitte und Maß
Der Prälat hob die Bedeutung von Pfarrerinnen und Pfarrern für die Volkskirche hervor. Damit die Nachwuchsgewinnung erfolgreich sein könne, müssten ein positives Berufsbild, eine angemessene Entlohnung und vor allem angemessene Arbeitsbedingungen vorliegen. Dabei benötige das übertragene Amt „Mitte und Maß“. Wörtlich sagte Böttner: „Das Amt benötigt eine Begrenzung, die durch klare Dienstbeschreibungen zu erreichen ist, deren Ziel lautet: Freiheit zur Selbstgestaltung und geordnete Verhältnisse!“ Diese Dienstbeschreibungen seien aber nicht als Dienstanweisung zu verstehen, und es gehe auch nicht um die Einführung von Wochenarbeitszeiten. Vielmehr solle mit den Dienstbeschreibungen auf der Grundlage einer Jahresarbeitshöchstzeit als Rechengröße sichergestellt werden, dass Pfarrerinnen und Pfarrer nicht über das vertretbare Maß hinaus tägig werden müssen. Als Ziel formulierte Böttner: „Überforderungen vermeiden und Aufgabenkritik so umsetzen, dass sie kein Lippenbekenntnis bleibt.“

Reduzierung und Verteilung von Pfarrstellen
Mit der Verabschiedung der Beschlüsse zum landeskirchlichen Reformprozess hatte die Landessynode auch den Abbau von Pfarrstellen beschlossen. Böttner erinnerte an das formulierte Ziel, 2026 mindestens 400 volle Gemeindepfarrstellen und mindestens 150 Funktionspfarrstellen vorzusehen. Die gegenwärtigen Prognosen gehen von 445 Gemeindepfarrstellen in 2026 bei einem derzeitigen Stand von 505 Gemeindepfarrstellen aus.
Alle übrigen Pfarrstellen summierten sich aktuell auf 264, von denen zurzeit 84 Stellen in unterschiedlichem Umfang refinanziert seien. Je nachdem, wie man die Refinanzierung im Einzelnen bewerte, müssten in diesem Bereich bis 2026 noch eine erhebliche Zahl von Pfarrstellen reduziert werden. Nach Einschätzung des Prälaten sei diese Anpassung aber „nicht dramatisch“, sie entspreche dem Rückgang der Kirchenmitglieder. Eine Gegenüberstellung von Abgängen aufgrund von Versetzungen in den Ruhestand und den prognostizierten Zugängen durch eine Übernahme in den Pfarrdienst zeige, dass nach der aktuellen Prognose voraussichtlich 40 vakante Stellen in 2026 zu verzeichnen sein würden. Es sei das Ziel der Landeskirche durch eine verstärkte Nachwuchsförderung mögliche Vakanzen zu vermeiden.
Die im Pfarrstellenbudget-Gesetz vorgesehene Verteilung der Pfarrstellen auf die einzelnen Kirchenkreise wiederum garantiere, dass sich auch die Vakanzen einigermaßen gleichmäßig verteilen würden. Laut Böttner habe diese vorhergesagte Stellenentwicklung zur Folge, dass weiterhin eine kontinuierliche Einstellung nötig sei, um für die kommenden Jahre so gut wie möglich aufgestellt zu sein.

Anstehende Herausforderungen müssen gut vermittelt werden
Nach Einschätzung des Prälaten sei die Dimension der zu leistenden Aufgabe noch nicht bei allen vor Ort angekommen. Er sehe zwar zum einen den großen Einsatz vieler, die durch unterschiedliche Maßnahmen kirchengemeindliche und pastorale Arbeit durch Fusionen, Kürzungsmaßnahmen, Sponsoring und zusätzliches ehrenamtliches Engagement absichern und fördern wollten. Zum anderen gebe es aber auch noch Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Kirchenvorstände, die den Bildern und Erfahrungen des bisher Gewohnten anhingen und Angst vor Veränderungen hätten. Böttner zeigte Verständnis dafür, dass die anstehenden Veränderungen viele verunsicherten und sie daher die bisherigen Strukturen bewahren wollten. Selbstkritisch fragte er, ob es den Verantwortlichen besser hätte gelingen können, die Gründe für die anstehenden Veränderungen darzulegen. Deshalb machte der Prälat deutlich: „Ich sehe nach wie vor eine große Vermittlungsaufgabe, vor allem bei den Pfarrerinnen und Pfarrern, aber auch bei den hauptamtlich Mitarbeitenden in der Kirche.“ Sie brächten das Wissen und die Professionalität mit, um die Stimmungen aufzunehmen, aber sich nicht allein von diesen leiten zu lassen. Diese Vermittlungsaufgabe werde in den kommenden Jahren verstärkt auf die Pröpstinnen und Pröpste zukommen. Sie würden Vertreterinnen und Vertreter des Bischofs in den Sprengeln landeskirchliche Interessen an der Basis vertreten und könnten zwischen Basis und kirchenleitenden Gremien vermitteln, ohne dabei die Beschlüsse der Landessynode aus den Augen zu verlieren. Abschließend richtete Böttner ein nachdrückliches Plädoyer an an das Plenum der Synode und in die Landeskirche hinein: „Ich werbe leidenschaftlich, die Augen für die notwendigen Veränderungen zu öffnen.“ Über den richtigen Weg werde man weiterhin streiten, aber gerade die Unvoreingenommenheit junger Pfarrerinnen und Pfarrer, Vikarinnen und Vikare sowie der Theologiestudierenden stimme ihn zuversichtlich. Als Tenor dieser Gespräche zitierte Böttner: „Meine Kirche ist jetzt so wie sie ist. Ich trage nicht die alten Bilder und die Enttäuschungen der alten mit mir herum. Ich habe Lust in meiner Kirche zu arbeiten, und zwar mit den Möglichkeiten, die jetzt zur Verfügung stehen, und mit neuen Ideen, die gemeinsam zu entwickeln sind.“


Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck nimmt ihre Beratungen in der Evangelischen Tagungsstätte in Hofgeismar auf

Mit einem Gottesdienst von Bischof Dr. Martin Hein in der Brunnenkirche ist die Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am heutigen Donnerstagmorgen eröffnet worden. Im Mittelpunkt der Beratungen, die bis einschließlich Freitag, den 27. April, dauern werden, steht der erste Personalbericht von Prälat Böttner, der auf den aktuellen Stand des Reformprozesses eingehen wird. Der Bericht steht unter dem Motto: „Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist“ (Hosea 10,12). Besonders in den Blick genommen werden dabei die Chancen und Hindernisse, die sich bei der Neuaufstellung der kirchlichen und pastoralen Arbeit ergeben. Neben dem Personalbericht steht die Verabschiedung mehrerer Kirchengesetze auf der Tagesordnung. Dazu gehören eine Novellierung des Traugesetzes, die die gesetzlichen Neuregelungen für gleichgeschlechtliche Ehen berücksichtigt, und die Neustrukturierung der Sprengel in der Landeskirche, deren Beratung in der vergangenen Herbstsynode unterbrochen wurde.

Bischof Dr. Hein: Durch Christus Mut zum Neuen erfahren
In seiner Predigt zu 2. Korinther 5,17 im Eröffnungsgottesdienst ging Bischof Hein der Frage nach, inwieweit die Aussage „In Christus eine neue Schöpfung werden“ zutreffend sei. Denn oft stecke man in den Bedingungen und Begrenzungen der alten Welt fest. Auch im Handeln der Kirche könne man trotz aller Bemühungen um eine Neuausrichtung beobachten, dass viele am Hergebrachten festhielten und es ihnen schwerfalle, sich „auf leichteres Gepäck und auf neues Denken einzustellen“. Daher stelle sich die Frage, an welcher Stelle der Existenzwandel, von dem Paulus spreche, sichtbar und erlebbar werde. Heins Antwort: in der Taufe. Die Taufe sei die Handlung, die die Menschen mit Christus verbinde. Daraus folge: „Alles, was auf unser Leben zugreifen und sich unser bemächtigen will, gilt nicht mehr. Wir sind befreit – und zwar von Grund auf -, weil Christus unser Leben ist!“ Und dies gelte – so der Bischof – nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern auch für die Kirche als Ganzes. Dies habe Folgen für die Gestalt der Kirche, die sich anhand von drei Prüfsteinen hinterfragen lasse: „Wovon lassen wir uns bestimmen?“, „Was lassen wir los?“ und „Wozu sind wir beauftragt?“ Hein äußerte die Vermutung: „Wir würden tatsächlich mutiger und auch widerständiger und unbequemer, würden wir unsere Befangenheit im bisherigen Denken einmal selbstkritisch überprüfen, um dadurch Freiheit für Neues gewinnen.“ Abschließend sprach der Bischof den Synodalen Mut zu mit den Worten: „Sollten wir den Eindruck gewinnen, hinter unserer Bestimmung und Aufgabe zurückzubleiben, gibt es eigentlich nur eines: die Besinnung auf den Anfang unserer neuen Existenz, auf die Zusage, die uns in unserer Taufe gegeben wurde.“ Das neue Leben sei noch nicht am Ziel angelangt, aber es wirke und die Kirche sei auf dem Weg: „Manches an Veränderung liegt vor uns. Aber wir können es mit neuem Denken angehen – weil wir in Christus „inkludiert“ sind und aus seiner Kraft leben.“

Präses Dr. Dittmann: Beratungen mit Augenmaß und im Hören auf Gottes Wort
In seiner Eröffnung erinnerte Dittmann daran, dass die Synodaltagungen der letzten Jahre durch die Beschäftigung mit Strukturen, Organisation von Aufgaben, Entscheidungen über Fusionen und Kürzungen geprägt waren. Dabei könne leicht aus dem Blick geraten, dass sich auch bei diesen technischen Fragen geistliche Leitung ereignen müsse. Der Präses gab zu bedenken: „Gerade dann, wenn wir nicht mehr alles tun können, was wir in der Vergangenheit getan haben, wenn wir uns beschränken müssen und von bestimmten Aufgabenfeldern ganz oder teilweise Abschied nehmen, ist es erforderlich, dies nicht nur mit Augenmaß und wachem Verstand, sondern vor allem auch im Gebet und im Hören auf Gottes Wort zu tun.“ Das oberste Ziel müsse sein, die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat auch künftig so gut wie möglich zu gewährleisten.